Was ist das „erwachte Bewusstsein“?

 

Es gibt verschiedene Stufen des Bewusstseins, die uns auf unterschiedliche Weise helfen können, uns selbst und die Welt um uns herum klarer wahrzunehmen. Eine der grundlegenden Formen ist die Achtsamkeit, die sich sowohl im Alltag als auch in gezielten Übungen entfalten kann. Achtsamkeit bedeutet, den gegenwärtigen Moment bewusst wahrzunehmen und Gedanken, Gefühle sowie Handlungen aufmerksam zu beobachten – ohne Ablenkung, Bewertung oder Urteil.

Beispielsweise kann Achtsamkeit im Gehen, Essen oder Sprechen geübt werden, indem man die Aufmerksamkeit ganz auf die jeweilige Tätigkeit richtet und spürt, was im Körper und Geist geschieht. Eine besonders bekannte Form ist die Atem-Meditation: Dabei wird der Fokus auf jeden einzelnen Atemzug gelegt – auf das Ein- und Ausströmen der Luft, auf die Bewegung des Brustkorbs und auf die Empfindungen, die damit verbunden sind. Wenn Gedanken auftauchen, werden sie bemerkt, aber nicht festgehalten; die Aufmerksamkeit kehrt immer wieder sanft zum Atem zurück.

Durch diese Praxis richtet sich die Wahrnehmung nach innen, und das Bewusstsein tritt als eine Art stiller Beobachter hervor – ein Teil in uns, der Gedanken, Gefühle und Reaktionen erkennt, ohne sich mit ihnen zu identifizieren.

Diese Form der bewussten Präsenz ermöglicht es, den Moment im „Hier und Jetzt“ zu erleben, ohne ihn sofort zu analysieren oder zu bewerten. Es geht darum, einfach zu sein und wahrzunehmen, was geschieht – im Körper, im Geist und in der Umgebung. Auf diese Weise wird das Leben klarer, und es entsteht eine tiefere Verbindung zu uns selbst und zur Welt um uns.

Achtsamkeitstraining kann uns also helfen, bewusster zu leben. Doch das Bewusstsein selbst – die Instanz, die wahrnimmt – bleibt für viele Menschen zunächst verborgen bzw. ist einem selbst noch nicht präsent.

Das erwachte Bewusstsein „Ming Jue“

Wenn Achtsamkeit und bewusste Wahrnehmung ein Teil des alltäglichen Lebens werden, eröffnet sich der Raum für eine tiefere Stufe des Bewusstseins – das „erwachte Bewusstsein“. Auf dieser Ebene geht es nicht nur darum, den Moment zu beobachten, sondern auch darum, das Bewusstsein selbst zu erkennen. Hier verschiebt sich der Fokus von der reinen Wahrnehmung der äußeren Welt hin zu einer inneren Erkenntnis, bei der das Bewusstsein sich selbst reflektiert und sich seiner eigenen Natur bewusst wird.

Im Zhineng Qigong bezeichnet das „erwachte Bewusstsein“ einen Zustand, in dem das Bewusstsein sich selbst beobachtet und erkennt. Dieser Zustand wird im Zhineng Qigong als Mingjue („Ming“ 明 bedeutet klar, „Jue“ 觉 bedeutet Achtsamkeit und Beobachtung) – das reine, klare Bewusstsein – bezeichnet. Es beschreibt das Bewusstsein, das sich selbst spiegelt und in seiner eigenen Klarheit, in seiner eigenen Natur erkennt, jenseits aller Emotionen, Vorstellungen, Prägungen und Emotionen.

Unser Bewusstsein ist erwacht, wenn wir beispielsweise unsere Gedanken im gegenwärtigen Moment beobachten und gleichzeitig wissen, dass wir uns der Gedanken bewusst sind. Der Fokus liegt dabei nicht auf dem Beobachten der Gedanken selbst, sondern auf dem Bewusstsein, das diese Gedanken wahrnimmt.

In diesem Zustand erleben wir unser klares Bewusstsein, frei von Bewertungen, Identifikationen, Anhaftungen, negativen Emotionen und Leid. Dieses erwachte Bewusstsein kann uns zu innerem Frieden, Freiheit, Selbstheilung, Lebensfreude und Harmonie führen.

Die Bewusstwerdung des eigenen Bewusstseins schenkt uns eine tiefere Klarheit, Stärke und Freiheit. Wir sehen uns selbst aus einer neuen Perspektive und können mit dem klaren Bewusstsein über alte Muster, urteilende Gedanken, Ängste, Abhängigkeiten und selbst auferlegte Begrenzungen hinauswachsen.

Wenn wir Mingjue regelmäßig praktizieren, wird unser Bewusstsein immer klarer und stabiler. Auf einer höheren Bewusstseinsstufe wird es reiner, was es uns ermöglicht, neue Fähigkeiten zu entwickeln und ungenutzte Potenziale zu entfalten.

Erfahrungsberichte

Die folgenden Erfahrungsberichte (übersetzt ins Deutsche) stammen von den Teilnehmern des englisch-sprachigen Mingjue-Kurses mit Lehrer Wei:

„Zunächst einmal danke ich dir [Lehrer Wei] von ganzem Herzen, dass du mich gelehrt hast, mich selbst zu finden und nach Hause zu kommen… noch nie hatte mir eine Praxis so viel gegeben. Klarheit in Konzepten, Klarheit in dem, was in mir passiert, wenn der Referenzrahmen erscheint; die Beziehung zum Leben im außen, und wie ich zu meiner Kraft zurückkehren kann.“
„Also werfen wir Schicht für Schicht unseren alten Selbst-Referenzrahmen ab, und natürlich gibt es einen Teil in uns, der das Bedürfnis verspürt, diese alte Schicht zu schützen, fest an der Vergangenheit festzuhalten und auch an all den Geschichten, die mich als Sklaven und nicht frei halten. Jetzt, wo ich mir dessen bewusst bin, fühle ich mich entspannt und glücklich. Wie schön dieser Prozess ist, wie genau alles ist, selbst „faule Momente“ bewegen mich zu tieferem Verständnis und zu tiefer Heilung.“
„Seit wir mit den Mingjue Gongfu-Kursen begonnen haben, bin ich dankbar und demütig über die Erfahrungen, die ich in jedem Modul gemacht habe. Meine persönlichen Herausforderungen, insbesondere Kindheitstraumata, die viele nur schwer überstanden hätten, begegneten mich in dringender Weise seit dem sechsten Modul. Es war, als wären mein Körper, mein Geist und meine Seele endlich an einem wirklich sicheren Ort und bereit, diese Wunden zu heilen. Jeden Tag praktizierte ich die N-Meditation im Stehen, Sitzen und Liegen, da dies unglaublich effektiv war. Ich wundere mich immer wieder, wie gut das funktioniert.“
„Normalerweise bin ich sehr schüchtern und unsicher, und das hat sich geändert. Meine Praxis hat mich zu einem mit-sich-selbst-wohlfühlenden und zu einem sichereren Menschen gemacht. Ich habe auch gelernt zu beobachten und zu entspannen, das war ein wichtiges Thema in meiner Erfahrung.“
„Ich kann kaum sagen, wie sich mein Leben auf wundersame Weise verändert, wenn auch nur langsam. Allein die Änderung meines Bezugsrahmens und das tägliche Praktizieren von Qigong (ich mache die Stufen 1 und 2 und stehendes Mingjue) hat mich wirklich verändert.“
Nach oben scrollen