
Qigong ist eine traditionelle chinesische Übungsmethode, deren Wurzeln sich bis in die chinesische Antike zurückverfolgen lassen und mehrere tausend Jahre Tradition umfassen. Im Mittelpunkt steht das Qi, die Lebensenergie, die nach der chinesischen Gesundheitslehre den Körper durchströmt und die Grundlage für Gesundheit, Vitalität und innere Ausgeglichenheit bildet. Durch fließende Bewegungen, bewusste Atmung, Visualisierung und meditative Sammlung wird der freie Fluss des Qi gefördert und harmonisiert. So verbindet Qigong die jahrtausendealte Weisheit der chinesischen Gesundheitslehre mit den Erkenntnissen der modernen Wissenschaft, die zunehmend belegt, wie positiv sich diese Praxis auf körperliches, geistiges und seelisches Wohlbefinden auswirken kann.
Im heutigen Verständnis der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird Qigong zu den wichtigen Grundpfeilern gezählt, zusammen mit Akupunktur, Kräuterheilkunde, Tuina-Massage und Ernährungslehre. Es ist ein Ansatz, der den Menschen als Ganzes betrachtet, nicht nur einzelne Beschwerden.
Wie Qigong im Körper wirkt
Die Bewegungen im Qigong sind ruhig und gleichmäßig. Von außen wirkt das oft schlicht, aber innen passiert meist deutlich mehr. Nach der chinesischen Gesundheitslehre fördert Qigong den freien und harmonischen Fluss des Qi, der Lebensenergie, die den Körper durchströmt und alle körperlichen und geistigen Funktionen unterstützt. Gerät dieser Energiefluss ins Stocken oder aus dem Gleichgewicht, können sich nach dieser Vorstellung unterschiedliche Beschwerden und Unwohlsein entwickeln.
Aus moderner Sicht steht eher die Wirkung auf das Nervensystem im Vordergrund. Die Kombination aus Bewegung, Atmung und Aufmerksamkeit kann dazu beitragen, dass der Körper aus dem Stressmodus in einen ruhigeren Zustand wechselt. Die Atmung wird oft tiefer, die Muskulatur lässt nach, und die Körperwahrnehmung wird klarer.
Regelmäßiges Üben kann unter anderem dazu beitragen:
- die Körperhaltung zu verbessern und Verspannungen zu lösen
- die Atmung zu vertiefen
- Beweglichkeit und Koordination zu fördern
- die Durchblutung anzuregen
- das Gleichgewicht zu stabilisieren
- innere Ruhe und Gelassenheit zu unterstützen
Viele berichten außerdem, dass die Gedanken während der Übungen allmählich ruhiger werden. Manchmal braucht es dafür nicht viel Zeit, oft reichen schon ein paar Minuten. In meinen Kursen erlebe ich immer wieder, dass Teilnehmerinnen und Teilnehmer bereits nach der ersten Stunde überrascht sind, wie schnell sich Anspannung lösen kann und wie wohltuend sich eine tiefe Entspannung von Körper und Geist einstellt. Andere stellen während einer Übung zum ersten Mal fest, wo sich im Körper Spannungen verbergen, die sie im Alltag gar nicht bewusst wahrgenommen haben. Viele sind außerdem überrascht, wie deutlich sie das Qi wahrnehmen. Allein dieses bewusste Wahrnehmen ist für viele bereits ein wichtiger erster Schritt hin zu mehr Entspannung und Körperbewusstsein.
Qigong in der modernen Wissenschaft
In den letzten Jahren ist Qigong auch stärker in den Fokus der Forschung gerückt. Es gibt inzwischen eine Reihe von Studien, die sich mit möglichen Wirkungen beschäftigen. Die Ergebnisse sind nicht in allen Bereichen eindeutig, zeigen aber häufig positive Tendenzen.
Moderne Untersuchungen weisen unter anderem auf folgende Effekte hin:
• Stressreduktion: Qigong senkt das Stresshormon Cortisol und stärkt die Fähigkeit, mit Belastungen umzugehen.
• Stärkung des Immunsystems: Die harmonisierende Wirkung auf den Organismus kann Abwehrkräfte aktivieren.
• Verbesserung der Herz-Kreislauf-Gesundheit: Blutdruck und Herzfrequenzvariabilität reagieren positiv auf regelmäßige Praxis.
• Schmerzlinderung: Besonders bei chronischen Beschwerden, Gelenkproblemen und Verspannungen kann Qigong unterstützend wirken.
• Mentale Gesundheit: Studien zeigen Verbesserungen bei Schlafqualität, Konzentration, Stimmung und emotionaler Stabilität.
Eine Reihe von wissenschaftlichen Studien zu Qigong sind auf der Website von der National Library of Medicine (hier) zu finden.
Qigong als Ressource im modernen Alltag
Der Alltag vieler Menschen ist heute geprägt von Tempo, Reizüberflutung und ständiger Erreichbarkeit. Qigong kann hier ein ruhiger Gegenpol sein, ohne großen Aufwand und ohne besondere Voraussetzungen. Die langsamen Bewegungen, die tiefe Atmung und die innere Achtsamkeit schaffen einen Raum, in dem Körper und Geist zur Ruhe kommen und neue Kraft schöpfen.
Die Übungen lassen sich flexibel in den Tag einbauen: Ob kurze Morgenroutine, entspannende Mittagspause oder Abendritual zum Abschalten – Qigong lässt sich flexibel in den Alltag integrieren. Viele entdecken dabei, dass schon kleine regelmäßige Einheiten etwas verändern können, nicht spektakulär, aber spürbar.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum Qigong für viele nicht nur eine Übung bleibt, sondern sich langsam in den Alltag integriert.
Es entsteht oft weniger durch „Wollen“, sondern eher durch ein allmähliches Wieder-in-Kontakt-Kommen mit sich selbst.
